IMPACTS: "Characterising Underwater Noise and Changes in Harbour Porpoise Behaviour During the Decommissioning of an Oil and Gas Platform" - Fernandez-Betelu et al., 2024
Der Rückbau maritimer Industrieinfrastruktur im Offshore-Bereich ist mit erheblichen akustischen Emissionen verbunden – eine Umweltbelastung, deren Auswirkungen auf sensible Meeressäugerpopulationen bislang nur unzureichend verstanden sind. Der Artikel „Characterising underwater noise and changes in harbour porpoise behaviour during the decommissioning of an oil and gas platform“ von Fernandez-Betelu et al. (2024) liefert hierzu eine der bislang detailliertesten Fallstudien und zeigt auf, wie Unterwasserschall beim Decommissioning die Verhaltensmuster von Schweinswalen (Phocoena phocoena) in der Nordsee beeinflusst.
Die Autor*innen dokumentieren mithilfe passiver akustischer Monitoringtechnologien (C-PODs) und detaillierter Lärmmessungen, dass impulsive Schallereignisse – etwa durch Schneid- und Hebevorgänge – zu signifikanten räumlichen Vermeidungsreaktionen führen. Diese Reaktionen setzen bereits bei relativ moderaten Schallexpositionspegeln ein und deuten auf eine hohe Empfindlichkeit der Tiere gegenüber technischen Geräuschen hin. Der Einfluss reicht dabei über die unmittelbare Umgebung hinaus und betrifft potenziell zentrale Nahrungs- und Fortpflanzungshabitate.
Fernandez-Betulu et al. leiten aus ihren Ergebnissen konkrete Empfehlungen für eine schallsensiblere Planung und Durchführung von Rückbaumaßnahmen ab – etwa durch lärmarme Technologien, zeitliche Steuerung der Maßnahmen oder die Ausweisung temporärer Schutzzonen. Die Studie stellt eine wertvolle empirische Grundlage für die Weiterentwicklung artenschutzkonformer Decommissioning-Richtlinien dar und unterstreicht die Bedeutung interdisziplinärer Forschung im Schnittfeld von Meeressäugerschutz, mariner Infrastrukturpolitik und technischer Innovation.