Nationale Maritime Konferenz 2019: Chancen der Offshore-Windindustrie für mehr Wertschöpfung, Innovationen und Klimaschutz nutzen

Die gestern zu Ende gegangene Nationale Maritime Konferenz (NMK) in Friedrichshafen/Bodensee hat gezeigt, dass die zentralen Herausforderungen wie Energiewende, Klima- und Umweltschutz enorme wirtschaftliche Chancen für den Industriestandort Deutschland beinhalten. „Diese Chancen gilt es besonders für die Offshore-Windindustrie und die maritime Wirtschaft zu nutzen. Beide Industrien würden von einer beschleunigten Umsetzung der Energiewende profitieren. Dazu sind die verstärkte Nutzung der Marktpotentiale in der deutschen Nord- und Ostsee, die Gewährleistung einer langfristigen Planungssicherheit sowie der Erhalt und Ausbau der heimischen Wertschöpfung notwendig. Dies kann nur durch eine kurzfristige Anhebung der Ausbauziele für Offshore-Windenergie auf mindestens 20 GW bis 2030 und mindestens 30 GW bis 2035 notwendig“, zog Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE Bilanz nach zwei Konferenztagen. „Zudem sollte der im Koalitionsvertrag genannte Sonderbeitrag Offshore-Wind noch in diesem Jahr möglichst schnell gesetzlich festgeschrieben werden.“

Wagner fügte hinzu: „Aktuelle Studien zeigen bereits einen Verlust von rund 3.000 Arbeitsplätzen in der Offshore-Windindustrie. Ohne ein schnelles Anheben der Ziele bis 2030 könnten bis zu 8.000 weitere Arbeitsplätze verloren gehen. “ Umso wichtiger sei es, dass der für Energiefragen zuständige Staatssekretär im BMWi, Andreas Feicht auf der Konferenz betonte, dass die Bundesregierung zeitnah mit den Bundesländern klären will, wie das Ausbauziel für Offshore-Wind  für 2030 auf 20 GW angehoben werden kann. Auch für 2035 sei ein deutlich stärkerer Ausbaupfad als bisher notwendig.

Die Vorteile von Windenergie auf See wurden auch von Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Rede am Eröffnungstag der NMK unterstrichen. Sie betonte insbesondere den wichtigen Beitrag von Offshore-Wind beim Erreichen der Klimaschutzziele 2030, insbesondere durch die stabilere Stromproduktion auf hoher See.

Die Äußerungen des Staatssekretärs und der Kanzlerin wurden von Jens Eckhoff,  Präsident der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE und Moderator des Offshore-Forums auf der Konferenz begrüßt. Er appellierte an den Gesetzgeber, die Ausbauziele möglichst schnell anzuheben und noch in 2019 die im Koalitionsvertrag genannte Sonderausschreibung für Offshore-Wind in Höhe von 1,5 GW auf den Weg zu bringen. Es gelte den Anschluss an die dynamischen internationalen Märkte nicht zu verlieren und der Offshore-Windindustrie auf Basis eines starken heimischen Marktes weitere Exportpotenziale zu eröffnen. Diese müssten auch stärker als bisher politisch flankiert werden, so Eckhoff

In dem Forum Offshore-Windenergie, das die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE gemeinsam mit dem BMWi vorbereitet hatte, wurden die aktuellen Herausforderungen und Potenziale der Branche analysiert und diskutiert. (Link zum Positionspapier) Dabei wurde deutlich, dass für den Industriestandort Deutschland das über Jahre erarbeitete Know-how in der Offshore-Windenergie ein essentieller Vorsprung im wachsenden internationalen Wettbewerb sein kann, wenn es erhalten und weiter ausgebaut wird. Die Teilnehmer betonten die großen Fortschritte bei Kostendegression und Technologieentwicklung, die die Branche seit Inbetriebnahme des Testfelds alpha ventus in weniger als einem Jahrzehnt erreicht hat.

Schiffbau, Hafendienstleistungen und maritime Technologien ermöglichen den Aufbau und Betrieb der Anlagen auf See. Die Offshore-Windindustrie ist zugleich Innovationstreiber für die maritime Wirtschaft“, betonte Andreas Wagner. Die Entwicklung von innovativen Technologien wird zukünftig immer bedeutender, um bei weiterer Kostensenkung weiterhin höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten und Beeinträchtigungen der marinen Umwelt zu minimieren. Daher sollten von politischer Seite Innovationen gefördert und beschleunigt werden u.a. durch die Förderung von Test- und Demonstrationsvorhaben zur Erprobung innovativer Anlagen- und Gründungstechnologien, Logistik- und Betriebskonzepten sowie  Netz- und Speichertechnologien.

Dadurch können auch Potenziale für die weitere Sektorenkopplung gehoben werden, d.h. die Nutzung von Offshore-Windstrom für den Wärme- und  Transportsektor sowie für die Industrie werde zukünftig immer wichtiger. Dabei kann die Erzeugung von grünem Wasserstoff durch Offshore-Windstrom eine wichtige Rolle spielen. Dafür brauche es allerdings dringend eine Änderung der regulatorischen Rahmenbedingungen, so die Forumsteilnehmer. 

> PM des BMWi zur NMK

> Link zum Positionspapier Offshore-Windenergie

> Link zur Initiative für eine maritime Strategie der Europäischen Union