Offshore-Wind: Zukunftsmarkt für die Energiewende?

• Europa braucht einen verlässlichen Ausbaupfad für Offshore-Wind.
• Hafeninfrastruktur darf kein Engpass für Offshore-Ausbau bleiben.
• Weltenergierat – Deutschland veröffentlicht Jahresstudie Energie für Deutschland 2024. Schwerpunktthema ist Offshore-Windenergie: Eine globale Ausbaurallye.

„Der globale Ausbau der Offshore-Windenergie ist gleichermaßen Herausforderung wie Chance“, erklärt Dr. Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierat – Deutschland, anlässlich der Veröffentlichung der Weltenergierat-Publikation Energie für Deutschland 2024 heute. Die Stromerzeugung mittels Offshore-Wind punktet mit einer Reihe von Vorteilen, darunter mit niedrigeren Stromgestehungskosten als bei fossil und nuklear betriebenen Kraftwerken, höheren Volllaststunden als bei Onshore-Wind aufgrund besserer Windverhältnisse sowie der Möglichkeit, erneuerbaren Wasserstoff zu generieren. „Offshore-Wind bietet deshalb enorme Wachstumspotenziale und die globalen Perspektiven sind vielversprechend“, schlussfolgert Carsten Rolle.

Europa hat sich ambitionierte Ausbauziele gesetzt: In Deutschland sieht das Windenergie-auf-See-Gesetz bis zum Jahr 2030 einen Ausbau auf 30 Gigawatt (GW), bis 2035 auf mindestens 40 GW und bis 2045 auf 70 GW installierter Offshore-Wind-Leistung vor. Die Europäische Union (EU) zielt auf 300 GW bis 2050 ab.

Trotz dieser Ausbauperspektiven steht die Offshore-Branche vor großen Herausforderungen. Hauptautorin Lara Schech, Projektleiterin Portfolioentwicklung Offshore Wind bei Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) und Mitglied der Young Energy Professionals des Weltenergierats, erklärt: „Die Branche ist stark globalisiert und von geopolitischen Entwicklungen besonders betroffen. Kostensteigerungen bei Rohstoffen sowie Engpässe bei Produktions- und Transportkapazitäten wirken sich stark aus. Zeitweise fehlende Ausbauperspektiven durch politisch schwankende Unterstützung haben in Deutschland zudem zu einem Verlust von Wertschöpfungstiefe geführt. Dies verschärft die Lage zusätzlich.“ Da Offshore-Projekte und -Turbinen immer größer werden, steigt beispielsweise der Bedarf an Hafenflächen und schwerlastfähigen Kaikanten. „Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung die Voraussetzungen dafür schafft, die Hafeninfrastruktur auszubauen und zu ertüchtigen“, fordert Carsten Rolle.

Zwischen 2013 und 2023 sank die Zahl der westlichen Hersteller von Offshore-Windturbinen von 9 auf 3 und läuft damit dem globalen Wachstum entgegen. Fast jedes zweite Offshore-Windrad (rund 47 % der Gesamtkapazität an weltweit installierter Offshore-Leistung) steht heute in China. Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland folgt mit rund 15 GW bzw. 22 % der Gesamtkapazität auf dem zweiten Platz. Deutschland hat aktuell rund 8,5 GW installierte Leistung und liegt damit auf Platz drei.

Der überwiegende Teil des erwarteten Ausbaus in Deutschland soll in den Jahren 2029 und 2030 stattfinden. Dies stellt die Industrie vor große Herausforderungen. Nicht zuletzt, weil europäische Nachbarländer ebenfalls den Fokus des Zubaus auf das Ende des Jahrzehnts legen.

„Damit Offshore-Wind einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende in Deutschland, Europa und der Welt leisten kann, ist zweierlei wichtig: Zum einen ein verlässlicher Ausbaupfad, der Investitionssicherheit bietet und zum anderen ein Auktionsregime, das nachhaltige europäische Wertschöpfung sicherstellt“, erklärt Carsten Rolle. „Durch strategische Handelsabkommen und die Förderung heimischer Vorproduktion für kritische Rohstoffe kann die EU die Resilienz ihrer Lieferketten weiter stärken. Unternehmen unterstützen dies bereits aktiv durch eine Diversifizierung ihrer Lieferketten.“

Die Energie für Deutschland 2024 können Sie hier kostenfrei herunterladen. Weitere Themen dieser Ausgabe: Preise für industriellen Energieverbrauch im internationalen Vergleich, Geogener (weißer) Wasserstoff, Reform des europäischen Strommarktdesigns, Möglichkeiten und Grenzen der THG-Quote, die BMWK-Plattform Klimaneutrales Stromsystem (PKNS) und vieles mehr.

Ansprechpartnerin: Isabelle Damminger / T: (+49) 30 20281722 / E: damminger@weltenergierat.de