Studie zur Ermittlung der finanziellen Anfangsausstattung eines Verbandes der Offshore‑Windparkbetreiber für den Aufbau und Betrieb einer Rettungsinfrastruktur in der deutschen Nordsee
Diese Ausschreibung ist geschlossen.
Hintergrund und Zielsetzung
Der Ausbau der Offshore‑Windenergie in der deutschen Nordsee schreitet stetig voran. Mit wachsender Zahl und zunehmender Entfernung der Windparks von der Küste steigt der Bedarf an einer leistungsfähigen Rettungsinfrastruktur für das dort tätige Personal. Spätestens ab 2030, wenn die ersten Projekte jenseits der Schifffahrtsroute 10 realisiert werden sollen, muss diese Rettungsinfrastruktur jedoch aufgebaut und operativ sein.
Ohne eine funktionsfähige Rettungsinfrastruktur drohen bau‑ und arbeitsschutzrechtliche Einschränkungen bis hin zu einem Ausbaustopp.
Die Länder Niedersachsen, Schleswig‑Holstein und Bremen haben am 11. Juli 2025 einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht (BR‑Drs. 293/25), der den Bund auffordert, einen Verband zur Errichtung und zum Betrieb einer maritimen Rettungsinfrastruktur auf See zu schaffen. Die Mitgliedschaft in diesem Verband wäre für Betreiber von Infrastruktureinrichtungen zum Zwecke von Energieerzeugung und -transport obligatorisch.
Aktuell haben die Übertragungsnetzbetreiber eine Studie ausgeschrieben mit dem Ziel, unterschiedliche Rettungskonzepte aus medizinischer und technischer Sicht zu evaluieren.
Ziel dieser von der Stiftung OFFSHORE‑WINDENERGIE ausgeschriebenen Studie ist es, die finanzielle Anfangsausstattung eines nicht gewinnorientierten Verbandes der Offshore‑Windparkbetreiber zu ermitteln. Dabei sind unterschiedliche technische Rettungskonzepte, verschiedene Ausbaustufen der Offshore‑Windleistung sowie (Zwischen‑)Ergebnisse der parallel laufenden Konzeptstudie der Übertragungsnetzbetreiber zu berücksichtigen.
Zeitplan und Einreichung
- Einreichungsfrist der Angebote: 19. September 2025
- Dauer der Studie: 2 Monate
- Abschlussbericht fällig bis: 19. November 2025
Interessierte Institute oder Unternehmen sind eingeladen, ihr Angebot elektronisch bei der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE einzureichen.
Das Angebot soll eine detaillierte Methodik, relevante Referenzen sowie einen Kostenrahmen enthalten.
Bitte senden Sie Ihre Unterlagen gleichzeitig an beide E-Mail-Adressen:
k.wuertz@offshore-stiftung.de
info@offshore-stiftung.de
Leistungsumfang der Studie
Der Auftrag umfasst vier Arbeitspakete (AP):
AP 1 Aufbau eines Bewertungsmodells (Excel)
- Entwicklung eines nutzerfreundlichen Excel‑Tools (Formeln ungeschützt) zur Berechnung von
- DEVEX(Development Expenditure): Gründungskosten des Verbandes, Anlauf‑ und Personalkosten bis zum Gebührenzufluss, externe Dienstleistungen (z. B. Web‑Auftritt, Rechts‑ und Steuerberatung).
- CAPEX(Capital Expenditure): Investitionskosten zur Einrichtung der Rettungsinfrastruktur.
- OPEX(Operational Expenditure): laufende Betriebs‑ und Instandhaltungskosten.
- Ableitung des erforderlichen Fremdkapitals (inkl. Szenarien mit unterschiedlichen Zinssätzen & EK‑Quoten).
- Modellierung des Zeitpfads für Tilgung und Refinanzierung.
- Übergabe des fertigen Modells inklusive Inhaltsdaten und eines Revisionzyklus.
AP 2 Entwicklung von Gebührenordnungsmodellen
- Konzeption von drei Gebührenmodellen zur Refinanzierung des Fremdkapitals auf Basis der derzeitigen Durchschnittskosten der bestehenden, küstennahen Rettungsstrukturen (werden gestellt).
- Ausweis der Mehrkosten in €/Turbine/Monat je Modell.
- Berücksichtigung der Parameter
- installierte Leistung (MW),
- Distanz zum Festland,
- Distanz zur vorgegebenen Position der Rettungsinfrastruktur.
- Vollständige Integration in das Excel‑Tool aus AP 1 – inklusive automatisierter Auswertungen für unterschiedliche technische Konzepte und Offshore‑Ausbaustufen.
AP 3 Analyse der Rettungskonzepte des Auftraggebers
- Wirtschaftliche Bewertung der vorgegebenen Konzepte unter drei Ausbauszenarien:
- dedizierte Rettungsschiffe mit medizinischer Notfallversorgung,
- dedizierte Offshore‑Plattform/Insel mit med. Einrichtungen,
- Co‑Nutzung bestehender oder geplanter Infrastruktur (z. Konverterplattformen, offshore stationierte Helikopter).
Die Analysetätigkeit soll eine Erstanalyse und (nach Durchführung des ersten Stakeholder-Events, s. AP 4) eine überarbeitete Analyse- und Ergebnispräsentation enthalten.
AP 4 Stakeholder‑Events
- Fachliche Durchführung von zwei Stakeholder‑Veranstaltungen (Organisation durch die Auftraggeberin):
- Präsentation der Modellierungsergebnisse & Erstanalyse
- Vorstellung der finalen Ergebnisse unter Berücksichtigung des Branchen‑Feedbacks
Anforderungen an die Studie
Die Studie muss sich auf belastbare Daten und transparente Modellrechnungen stützen und:
- alle relevanten regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Gründung und Betrieb des Verbandes berücksichtigen,
- eine Kosten‑Nutzen‑Analyse für jede Kombination aus Rettungskonzept (AP 3) und Ausbaustufe liefern,
- die langfristige Tragfähigkeit des Verbandes unter verschiedenen Gebühren‑ und Finanzierungsszenarien bewerten,
- ein realistisches Finanzierungsmodell inklusive Gebührenordnung und Tilgungsplan vorschlagen.
Eignungsnachweis der Bieter
Bieter:innen sollen folgende Fachkompetenzen nachweisen:
- Offshore‑Windenergie und maritime Infrastruktur,
- Finanzwirtschaft, Kapitalbedarfs‑ und Gebührenanalysen,
- Beratung bei Gründung/Gestaltung von (Zwangs‑)Verbänden oder vergleichbaren Institutionen (bitte belegen),
- optional: Erfahrung in der Bewertung maritimer Notfall‑ und Rettungslogistik.
Budget und weitere Hinweise
- Das maximale Auftragsvolumen beträgt 100 000 € brutto.
- Aufgrund des dynamischen Umfelds kann der Leistungsgegenstand in Abstimmung mit der Auftraggeberin angepasst werden, um aktuelle Entwicklungen oder Kostensenkungspotenziale zu berücksichtigen.
- Die Auftraggeberin behält sich vor, die Ausschreibung jederzeit ohne Angabe von Gründen aufzuheben.
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